Historie
November
2006
Fahren, Schwimmen, Laufen
Rallye
Atlantis 2006 als moderner 3-Kampf
Die Wetterverhältnisse am vergangenen Wochenende
hinterließen bereits kurz nach dem Start der
23./ 24. ADAC Rallye Atlantis tiefe Sorgenfalten auf
der Stirn von Rallyeleiter Kay Ripke. Er und sein
MSC Kaltenkirchen sowie die vielen hundert hier nicht
namentlich genannten Helferinnen und Helfer sowie
die Mitarbeiter der unterschiedlichsten Hilfsorganisationen
hatten alles bis ins kleinste Detail geplant. Ein
ausgeklügelter Zeitplan sollte dafür sorgen,
dass sowohl die Nationale (EU) A-Rallye wie auch die
Nationale (Rallye 200 +) B-Rallye parallel zueinander
würden abgewickelt werden können.
Ein
moderner Dreikampf hätte kreiert werden können:
Fahren........... mit den Rallyeautos auf den Strecken
Schwimmen.. durch die Servicezone im Festplatzbereich
Laufen.......... .nach einem Abflug zum nächsten
Streckenposten
Bereits
auf der ersten für die B-Rallye zu absolvierenden
WP kam es, wie es nicht hätte kommen sollen:
Lars und Diana Tietjen vom SMC Stade kamen mit ihrem
Golf von der Strecke ab. Der Einschlag war so heftig,
dass die Rettungskräfte auf die WP mussten. Diana
Tietjen wurde zur Beobachtung in Krankenhaus gebracht
( wo festgestellt wurde, dass Gott sei Dank nur leichte
Blessuren für eine vorübergehende Bewegungseinschränkung
sorgen werden).
Mit einer Verspätung von etwa 45 Minuten ging
es dann für die B-Rallye-Teilnehmer weiter. Allerdings
nur bis zur Startnummer 46. Schneppe / Riesemeyer
legten ihren BMW 318 is in einem Graben derart gekonnt
auf´s Dach, dass ihnen nach kurzer Zeit das
Wasser bis zum Hals stand, allerdings verkehrt herum.
Beide konnten mit Hilfe von Posten und Zuschauern
körperlich unversehrt (...die seelischen Qualen
werden noch zu überstehen sein) in Sicherheit
gebracht werden, dem BMW allerdings stieg von Minute
zu Minute das „Blut in den Kopf“.
Jetzt war für den Rest des Tages der Zeitplan
ohnehin beim Teufel.
Bestzeit auf dieser Prüfung setzte (nach dem
Motto „Tot oder Leutnant“) Bäcker
Münster mit Co-Pilotin Maike Kühne. Zweitschnellste
waren hier Hanser / Groth. Beides Fahrzeuge der Klasse
G 18 (!!!), also der 318 is Fraktion. Erst auf Rang
drei Pingel / Ruediger mit dem „Italo M3“.
Vogt / Michels folgten an der vierten Position, quasi
„im Windschatten“.
Bei
der A-Rallye war unterdessen bereits einer der Anwärter
auf den Gesamtsieg, das Team Pedersen / Nielsen auf
dem bärenstarken BMW M3 ausgeschieden, ohne einen
Meter WP absolviert zu haben. Auf der Anfahrt zur
ersten WP der A-Rallye mussten die beiden ihren M3
Mit Kupplungsschaden abstellen.
Nach der ersten Prüfung lag das Team Imhoff /
Walker mit dem Golf Kit Car in Führung. Es folgten
auf Rang zwei Behrens / Hammerich auf ihrem Opel Corsa
A (!!!!), Platz drei Müller / Kalmbach, BMW 320
is. Erst auf Rang 4 die Allradtreter aus Dänemark
Jensen / Toendborg mit dem Subaru Impreza WRX sti.
Die
Rallye hatte sich nun langsam „eingerollt“,
doch die Sorgenfalten wollten nicht aus Ripkes Gesicht
weichen. Der Blick zum Himmel verhieß nichts
Gutes.
Zuerst
einmal jedoch ließ es Pingel richtig krachen:
überragende Bestzeit auf WP 2 und ein etwas größeres
Polster für die weitere Veranstaltung. Lediglich
Broda / Suhrke konnten mit ihrem Golf 2 folgen. Friedhelm
und Sina v. Wieding hielten sich in dem BMW M3 sehr
zurück, was aber sicherlich damit zu tun hatte,
das Fahrzeug auf der Piste zu halten, eine gute Platzierung
zu erreichen und den Rallye-Cup-Nord zu gewinnen .
Auf den ersten 4 Prüfungen hatten sie sich schon
über 40 Sekunden Rückstand auf die Spitze
des Feldes eingefangen. Auch Grätsch / Gawlick
mit einem weiteren M3 kamen nicht richtig in Fahrt.
Drittschnellste Zeit fuhren Lerch / Hagen mit der
gut und gern 30 Jahre alten Gruppe 2 Toyota Celica.
Platz vier auf dieser Prüfung ist eine kleine
Sensation, denn der geht mit nur 8 Sekunden Rückstand
auf Pingel an die Mini-Besatzung Schultz / Slawik.
Respekt,
Respekt.
Den
allerdings hatte das Team Hanser / Groth vollends
verloren und sie bliesen zur Attacke. Das Halali kam
jedoch etwa zur Hälfte der 2. Prüfung, als
den beiden unerwarteter Weise die Straße ausging.
Auf dem glitschigen Geläuf gab es kein Halten
mehr.... nicht ganz: bevor es auf die Wiese gehen
sollte, war da noch ein Baum im Wege, der sich seinen
Weg in den Vorderwagen des BMW 318 is suchte. Adios....Meisterschaft!!!
Die
A-Rallye sah nun den Beginn eines Zweikampfes zwischen
Imhoff und Jensen. Im Sekundenabstand jagten diese
beiden über die Prüfungen und bis etwa zur
Hälfte der Rallye hatte Imhoff die Nase leicht
vorn. Am ehesten folgen konnten Kölle / Lerch
mit dem Porsche 911, sowie Zipfel / Rohlfs mit dem
M3 und Pilgaard / Pedersen mit dem infernalisch gehenden
Suzuki Swift S 1600.
Einige Verfolger mussten ihre Hoffnungen auf den „DODENHOF-Hügeln“
begraben. Dazu gehörten Müller / Kalmbach
auf dem 3er BMW und auch die Peugeot Piloten Beck
/ Ralfs, die mit abgerissenem Auspuff ausrollten.
Heftiger erwischte es an der aus dem Vorjahr bekannten
„Kuppe“ das Team Hagen / Wulf ( Golf II
), die nach der Kuppe etwas „Stabilität
im Sprung“ vermissen ließen. Quer ging
es dahin... in Richtung Bordstein. Den Einschlag nahmen
die Vorder- und die Hinterachse gleichermaßen
übel. Ende im Gelände !
Bei
der B-Rallye war nach der 4. Prüfung das Ende
für zwei weitere Teams gekommen: Lerch / Hagen
stellten die Gruppe 2 Celica mit einem Zündkerzendefekt
ab. Der Isolator hatte sich vom Kerzengewinde getrennt.
(Vibratorische Trennung). Kuntz / Tarnaske sind seit
ihrem Abflug auf der Suche nach einer Rohkarosse,
denn an ihrem Polo ist nicht mehr so wirklich viel
heil.
Doch dann kam „von Wiedings´ halbe Stunde“.
Sie waren bereits in den DODENHOF-Rundkurs hineingestartet
und hatten eine trockene Piste vor sich. Das nutzten
die beiden und brannten mit dem M3 eine grandiose
Bestzeit in den Asphalt. Mit ihnen gestartet waren
Grätsch / Gawlick, die bereits nach wenigen hundert
Metern mit Getriebeschaden ausrollten und Broda /
Suhrke, für die die Kuppe hinter dem Haupthaus
eine Spur zu hoch war. Sie zerschellten nach der Landung
an einem hohen Erdwall.
Dann kam 30 Minuten nichts... außer Regen. Der
Himmel verdunkelte sich und ein wahrer Schwall von
Wasser ergoss sich in Sekundenschnelle über Kaltenkirchen.
Die Fahrzeuge der B-Rallye, die jetzt den Rundkurs
unter die Räder nehmen mussten, hatten es besonders
schwer, ihre Fahrzeuge auf der Straße zu halten.
Das gelang nicht allen: die „große“
Kuppe hinter dem DODENHOF war für einige zu groß
(Fotos von Holger Schmatz betrachten !!!!).
Auch
Kanitz / Kühn reichte es nicht, sich die Achsen
ihres BMW zu zerstören. Sie mussten zusätzlich
noch eine von den teuren Designer-Laternen des DODENHOF
umlegen.
Polizei Hauptmeister Ralf Wendrich mit Co Anja Lange
parkte zwar auch kurzfristig am Hang, hatte aber vorher
eine Kehrtwende eingeleitet und konnte, nachdem er
etwa eine Minute für den „Abstieg“
brauchte, die Rallye fortsetzen.
Sehr
zügig und zu dem Zeitpunkt etwa an der dritten
Position im Gesamt unterwegs war das Team Grube /
Meyer mit dem Gruppe H Corsa. Ohne Rücksicht
auf Verluste (braucht man bei diesem Auto auch nicht
nehmen, da es daran sowieso kein Teil daran gibt,
was keine Beule hat...) trieb der „lange“
Kraftfahrer den Corsa über die Kaltenkirchener
Berg- und Talbahn... bis er an eine Blumenrabatte
geriet, die von einem hohen Kantstein eingerahmt war.
Der Corsa betätigte sich noch etwas als Gärtner
(er grub“e“ noch einige Rosenstöckchen
aus, drehte, merkwürdige Geräusche von sich
gebend, noch eine kurze Runde und verschwand dann
langsam Richtung „E“. Nach der Prüfung
war dann Schluss.
Den „heftigsten Eindruck“ allerdings hinterließ
wieder einmal Thomas Sander. Vor aller Zuschauer Augen
(die riefen schon ob der hohen Anfahrtsgeschwindigkeit
„oooohhhh“ und „aaaahhhh“)
hob der 318 is voller Euphorie mit seiner Besatzung
an der Kuppe ab.... jedoch die Landung war mehr als
dilettantisch. Mit beiden Füßen auf dem
Bremspedal stehend flog der BMW auf den Bordstein
zu, grub einen dieser 75 Kilo schweren Bordsteine
aus, erhob sich gut 2 Meter in die Luft, um sich dann
während der Landung seines etwa 5 Liter betragenden
Ölinhalts zu entledigen.
Aber es ist nicht nur die Ölwanne, die Schaden
genommen hat...
Das
alles und noch viel mehr...
...brachte Bäcker Münster und natürlich
auch einige andere immer weiter nach vorn.
Mit
ordentlich „Wut im Bauch“ war Günter
Vogt mit Co Jörg Michels unterwegs. Bis nachts
um 03:00 Uhr Sommerzeit waren sie noch am Schrauben
gewesen, um den Auspuff wieder ordnungsgemäß
zu befestigen. Zu allem Überfluss waren auch
noch einige Stehbolzen im Krümmer abgerissen.
Das
alles und noch viel mehr...
...sorgte für viel Adrenalin und Günter
fuhr letzte Rille, um endlich einmal den Jungs von
der „is-Fraktion“ so richtig den Marsch
zu blasen.
Angefeuert
durch die guten WP-Zeiten brachten auch die Minis
den DODENHOF noch einmal zum Kochen. Trotz Helm war
ein breites Grinsen in den Gesichtern aller 4 „Bunkus“-Piloten
zu sehen. Der Teamchef Joachim Bunkus hat bestimmt
höllisch rote Oberschenkel, so oft, wie er sich
vor Begeisterung darauf gehauen hat.
Heimlich,
still und leise und von vielen unbemerkt schlich sich
ein weiterer kleiner Corsa an die Spitze des Feldes.
Das fiel vielleicht deshalb nicht so auf, weil er
sich äußerlich von dem „Grube-Auto“
nicht wirklich unterscheidet. Doch die WP-Zeiten von
Nolting / Riepe, die mit der Startnummer 29 ins Rennen
gegangen waren, waren nicht von schlechten Eltern
und der Sprung hinter dem DODENHOF sicherlich der
höchste (von allen „gestandenen“).
Die
nachfolgende Servicepause auf dem Festplatz sollte
sich für alle Teilnehmer etwas schwierig gestalten.
Service musste nun auf der Straße gemacht werden,
statt auf dem Rasen. Dort konnte sich nur noch fortbewegen,
wer Schwimmhäute zwischen den Zehen besaß
(oder einen Traktor mit Allrad und ein langes Seil).
Doch
auf den WP´s sah es nicht besser aus:
Den starken Druck von einem Fiat Punto HGT dicht hinter
sich spürend und den unbändigen Willen,
die „G 18“ gewinnen zu wollen... ließen
das Team Münster / Kühne eine Sekunde unaufmerksam
sein. Vielleicht hat Holger gerade daran gedacht,
wie viel Brötchen seine Backstube in den letzten
100 Jahren verlassen haben. Dieser Gedanke kostete
ihn gut 8 Minuten Zeitverlust und etwas größere
Instandsetzungsarbeiten an der Karosse seines BMW.
Im Gesamtklassement ein „Rücksturz zur
Erde“ auf Platz 41. Auftretende Herzrhythmusstörungen
konnten gleich behandelt werden, denn Dr. Werner Rottenberg
lag jetzt noch einen Platz vor ihm.
Über
die Erbschaft des so frei gewordenen 5. Platzes im
Gesamtklassement und einen Klassensieg gegen die BMW
318 is freute sich das Team Vogt / Michels verdientermaßen,
die sich diesen Tag sicherlich mehr als rot im Kalender
anstreichen werden. Sie haben 100 % Einsatz gezeigt
aber sind nur 90 % Risiko gegangen. Das war das richtige
Rezept.
Auffällig unauffällig war die Fahrt von
Holger Stamm, dem Newcomer des Jahres 2005. Nachdem
er dieses Jahr schon mit dem dritten Fahrzeug am Start
war, hatte er auch endlich mal einen Beifahrer an
Bord, der weiß, wie man mit ungestümen
Fahrern umgehen muss. Holger Löhndorf, einen
der ausgefuchstesten Co-Piloten aus den 70er Jahren,
hat schon viele verregnete und vernebelte Rallies
erlebt. Ein verdienter Lohn für dieses Team ist
Platz 4.
Rang
3 geht an das Team Nolting / Riepe auf dem kleinen
Corsa, der nun sicherlich für die nächste
Saison noch mal ein neues Blechkleid spendiert bekommt....
oder?
Rang
2 erringen Friedhelm und Sina von Wieding, die trotz
der „Trockenbestzeit“ vom Dodenhof keinen
größeren Vorteil daraus ziehen konnten.
Einen
grandiosen Gesamtsieg jedoch feiert Stefan Pingel
mit Beifahrer Thomas Ruediger. Ohne Schramme hat er
seinen „Italo M3“ über die schwierig
schmierigen Pisten der ATLANTIS gesteuert und den
ersten Gesamtsieg seiner schon lange andauernden Karriere
errungen.
Die
A-Rallye drehte noch ihre letzten Runden in Stuvenborn
als Kay Ripke bekannt gab, dass der letzte Durchgang
auf dem DODENHOF-Gelände ausfallen würde,
weil zu viel Verspätung in der Rallye war.
Vorjahressieger
Martin Schütte mit Co Kay Treder musste das Kadett
C-Coupé mit Getriebeschaden abstellen. Das
gleiche Schicksal ereilte das Team Michl Meyer / Daniel
Rohde, nachdem sie zum zweiten mal über den „großen
Sprung“ gehüpft waren. Als vorletzten „prominenten“
Ausfall erwischte es den Dipl.-Ing. aus Kaltenkirchen
Andy Lüth mit Beifahrer Thomas Puls. Ohne Ankündigung
tat es einen heftigen Schlag aus dem Motorraum des
BMW M3. Das Ergebnis der Obduktion lässt noch
auf sich warten... eines ist sicher: billig wird´s
nicht.
Mit
dem immer schlechter werdenden Wetter schob sich das
Team Jensen / Toendborg immer weiter nach vorne und
knabberte Sekunde für Sekunde vom Vorsprung Imhoffs
ab, bis am Ende aus einem Rückstand ein mehr
als 7 – Sekunden – Vorsprung wurde.
Hut
ab auch vor der Leistung des Kit-Car-Teams Imhoff
/ Walker. Dieser geringe Rückstand zeigt, dass
sie gekämpft haben und sich gerne den Gesamtsieg
geholt hätten. Auch sie sagten nach der Rallye,
der weite Weg habe sich gelohnt, sie würden gerne
wiederkommen.
Auf
dem 3 Platz der A-Rallye landete das Suzuki-Team Pilgaard
/ Pedersen , die, genau wie die Sieger, diese Rallye
als letzten Test für den noch anstehenden letzten
Meisterschaftslauf in Dänemark gesehen haben.
Platz
4 geht an Dirk Zipfel und Matthias Rohlfs, die es
ebenfalls verstanden haben, das Auto mit Köpfchen
heil über die Prüfungen zu bringen.
Platz
5 geht an das Porsche-Team Kölle / Lerch, die
dieses Jahr schon bei der Stormarn-Rallye das Glück
hatten, gewinnen zu können. Doch hier war es
sicherlich schwieriger, Platz 5 zu erreichen.
Und
dann kam es noch einmal ganz dick: das Dänische
Team Christian Wolter / Ervin Gottschalk kamen mit
ihrem Saxo VTS von der Strecke ab und trafen seitlich
einen Baum. Die Wertungsprüfung wurde sofort
abgebrochen. Beide Fahrer kamen ins Krankenhaus, wo
sie optimale Betreuung bekommen.
Wir alle, Zuschauer, Teilnehmer und Helfer, wünschen
beiden, dass sie bald wieder „auf dem Damm“
sind. Gute Besserung.
So
schließt sich der Kreis, nur dass die Sorgefalten
auf Kay´s Stirn zum Ende des Tages noch tiefer
waren. Allerdings gab es viel aufmunternden Beifall
bei der Siegerehrung, die bei bester Stimmung im Festzelt
auf dem Festplatz stattfand. Es gab fast nur lobende
Worte für die Organisatoren, und auch die Zuschauerresonanz
an den Wertungsprüfungen hat gezeigt, dass der
MSC Kaltenkirchen mit dem Konzept und der Durchführung
dieser Rallye auf dem richtigen Weg ist.
Für´s
Wetter kann keiner was, man braucht nur die richtige
Kleidung (und die richtige Bereifung).
Autor: Stefan Blank
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